So gut wie alle Autounfälle sind durch Unzulänglichkeiten menschlicher Natur bedingt. Ob durch Einwirkung von Alkohol oder Cannabis, durch rabiate Fahrweise oder einfach nur durch menschliches Versagen: Die Zahl der Verkehrstoten durch Unfälle erreichte im Jahr 2008 knapp die 5.000-Marke. Dies ist zwar ein Rückgang im Vergleich zu 2007, doch die Zahl von mehr als 400.000 Leicht- oder Schwerverletzten zeugt von einer Chance von gerade mal ca. 1:160 während einer Autofahrt Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden. Die Unfallproblematik wird seit Jahrzehnten heiß diskutiert.

Viele Lösungsansätze wurden und werden bereits vorgeschlagen um die Unfallstatistik deutlich zu verändern, ob es nun die Senkung der Promillegrenze auf 0,2 ist oder die Einführung einer Höchstgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen. Doch eine Idee gilt wohl zweifellos als drastischste Maßnahme überhaupt: Wenn der Mensch die Fehlerquelle für die meisten Unfälle ist; was passiert wenn wir dem Auto diese Fehlerquelle entziehen? Konkret heißt das: Fahrerlose Fahrzeuge – von Robotern gesteuert und kontrolliert.

Ein erster Ansatz in Richtung dieser Entwicklung zeigte sich im Jahr 2007 in Berlin. Im Mai stellten Forscher der Freien Universität Berlin ein führerloses Auto vor, die „Spirit of Berlin“. Eingesetzt werden soll das von außen ganz normal wirkende Roboterauto bei der Polizei und generell in der Sicherheitsbranche. Ein Navigationssystem, Lasersensoren und Videokameras steuern den Wagen durch die Straßen, weicht bei Hindernissen aus und bremst vor Ampeln ab, bevor es zum stehen kommt. Sollte die Technik wider Erwarten ausfallen, so kann der Mensch im Fall aller Fälle das Steuer übernehmen. Straßentauglich ist das Gefährt bei aller Euphorie jedoch noch nicht. Die Frage ist, ob irgendwann einmal die Technik den Menschen komplett übernehmen wird wenn es um das Führen von Fahrzeugen geht. Die Grundlage dafür ist überraschend simpel: Die Route wird vom Navigationssystem errechnet und vorgegeben. Der Tempomat regelt die Geschwindigkeit. Der Spurhilfeassistent sorgt dafür, dass der Wagen nicht von der Fahrbahn und der richtigen Spur abkommt. Ein Abstandsradar erkennt die Abstände zum Vorder- und Hintermann. Klingt geradezu provozierend einfach. Der Mensch als bloßer Ein- und Ausschalter? Viel mehr hätte der Autofahrer der Zukunft wohl auch nicht zu tun.

Die große Frage ist jedoch, ob der Mensch sich in dieser Art und Weise degradieren will. Das Auto steht seit je her für mehr Mobilität und vor allem mehr Individualität. Man ist nicht auf Fahrpläne angewiesen und kann seine Route selbst wählen. Doch geht nicht genau diese Individualität durch Roboterbetriebene Autos völlig verloren? Wenn der Fahrer vom Fahrprozess völlig abgekapselt ist wird er zum Passagier. Doch für viele Menschen ist eben dieser Fahrprozess das, was sie am Auto schätzen, bzw. warum sie sich überhaupt ein Auto zulegen. Ein Auto zu fahren ist für viele Menschen nicht nur einfach eine notwendige Praxis sondern zugleich ein Hobby. Das Schalten der Gänge, der Überholvorgang und das Gefühl der Freiheit auf der Autobahn ist für eine große Zahl der Menschen – speziell in Deutschland – etwas, auf das sie nicht verzichten wollen. Für Leute, die es hassen mit dem Auto fahren zu müssen und lieber auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen, ist der Entwicklungsprozess der „Spirit of Berlin“ sicherlich interessant. Auch für Aufgaben der Polizei oder anderer Sicherheitskräfte dürften führerlose Fahrzeuge sicherlich interessant sein. Der durchschnittliche deutsche Autofahrer wird sich jedoch meiner Meinung nach nicht durch einen Roboter ersetzen lassen wollen. Auch wenn dafür das Unfallrisiko auf einem hohen Level stagniert.